Archiv der Kategorie 'Faschistische Vergangenheit'

Freispruch für Sándor Képíró

Keine Beweise gegen mutmaßlichen Kriegsverbrecher

Der mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher Sándor Képíró ist vom Budapester Stadtgericht freigesprochen worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, eine Berufung ist möglich. Eine ausführliche Urteilsbegründung ist erst heute, Dienstag, zu erwarten, weil die Verkündung wegen des Gesundheitszustands des Angeklagten auf zwei Tage aufgeteilt wurde. Der 97-jährige Képíró war aus einem Krankenhaus in den Gerichtssaal gebracht worden und hing an einem Infusionstropf. Nach 15 Minuten wurde die Urteilsverkündung unterbrochen, weil sich der alte Mann nicht mehr konzentrieren konnte.

Képíró wird vorgeworfen, sich 1942 als Gendarm an Massakern im serbischen Novi Sad beteiligt zu haben, bei dem die damalige ungarische Besatzungsarmee mehr als 1000 Juden, Roma und Serben tötete. Képíró soll mehr als 30 Opfer verhaftet und der Armee ausgeliefert haben. In der bisher bekannten Freispruch-Begründung heißt es, es sei nicht nachweisbar, dass Képíró gewusst habe, dass die Verhafteten umgebracht werden sollten. Dass Képíró eine juristisch nachweisbare Schuld habe, bezweifelt auch der liberale Historiker Krisztián Ungváry. „Moralisch“ sei er aber wohl verantwortlich, meint Ungváry.

Képíró war nach dem Krieg nach Argentinien geflohen und in den 1990er-Jahren nach Budapest zurückgekehrt. Das Jerusalemer Wiesenthal-Zentrum hatte ihn 2006 aufgespürt.

Quelle: Der Standard
Stand: 18.07.2011

In der „Tradition des Horthy-Regimes“

Karl Pfeifer, ein profunder Ungarn-Kenner, befürchtet weitere Erfolge der rechtsextremen Partei Jobbik. Das öffentliche Klima in Ungarn gegenüber Juden und Roma werde immer feindseliger.

Der in Wien lebende Journalist und Holocaust-Überlebende Karl Pfeifer ist auf internationaler Ebene ein kompromissloser Kämpfer und Streiter gegen rechten und linken Antisemitismus. Geboren wurde Pfeifer 1928 in Baden bei Wien.1938 floh die jüdische Familie nach Ungarn, dem Geburtsland der Eltern. Weitere Stationen im Leben des Kosmopoliten waren unter anderem Israel, Neuseeland und die USA.

Pfeifer ist einer der besten Kenner der rechtsextremen Szene in Ungarn. bnr.de sprach mit Pfeifer über aktuelle Aspekte des Rechtsextremismus in Ungarn. Das Gespräch fand im Anschluss einer Veranstaltung mit dem Publizisten an der Universität Freiburg statt. (mehr…)

Kein Platz für Nazi-Opfer

Am Budapester Donaukai unterhalb des Parlaments stehen 60, 70 Paar Schuhe. Von Kindern, Frauen, Greisen. Die Schuhe sind aus Bronze. Sie erinnern daran, dass hier Hitlers Ablegerpartei, die ungarischen Pfeilkreuzler, 1944/45 jüdische Bürger in die Donau treiben, erschießen, ertränken ließ. Unter den Opfern war auch ein gelernter Schuster, der 67-jährige Illés Mónus, Sozialdemokrat, Nazi-Gegner, Jude. Seit Kriegsende hieß ein Teil der Uferstraße nach ihm. 1951 ließ Ungarns damaliger kommunistischer Parteichef den Namen wieder tilgen. Denn Illés hatte schon 1937 nicht nur den Faschismus, sondern auch den Stalinismus verurteilt: »Man muss alle Unterdrücker des Geistes und der persönlichen Freiheit zurückweisen, egal welche Farbe sie ihrer Diktatur geben.« 1988, zum 100. Geburtstag des Sozialdemokraten, benannten Ungarns Reformkommunisten einen Budapester Vorstadt-Park nach ihm. Nun hat die Stadt das Namensschild abmontieren lassen. Ist, was den Stalinisten recht war, den Nationalisten um den ungarischen Premier Viktor Orbán jetzt nur billig?

25 Straßen und Plätze der Hauptstadt haben jüngst andere Namen erhalten. Fußballer aus Ungarns goldenem Kicker-Zeitalter der fünfziger Jahre werden auf diese Weise geehrt. Auch an Widerständler gegen den Kommunismus wird erinnert – wer würde ihr Andenken nicht respektieren in einem Land, das sich gegen die schlimmste Form der Sowjetdiktatur 1956 in einem blutigen Volksaufstand wehrte? Gewürdigt wird auch der polnische Priester Jerzy Popiełuszko. Er hatte in den Tagen der Solidarność die mutigsten Predigten gegen das kommunistische Regime gehalten, bis ihn Geheimdienstler töteten und in einen Fluss warfen. Nun löscht Popiełuszkos Name die Erinnerung an Endre Ságvári, nach dem die Straße bisher benannt war. Der Sozialdemokrat hatte 1937 den Sturm auf die Parteizentrale der faschistischen Pfeilkreuzler angeführt. 1943 führte ihn der Kampf gegen Hitlers Budapester Kohorten zur Kommunistischen Partei, 1944 wurde er beim Widerstand gegen seine Verhaftung getötet. (mehr…)

Streit um Ungarns Rolle im Holocaust

In Budapest wurde der Direktor des Holocaust-Zentrums entlassen – Dies nährt bei Kritikern der rechtsnationalen Regierung den Verdacht, dass Ungarns Rolle bei der Vernichtung der Juden minimalisiert werden soll

Nachdem die rechtsnationale Fidesz-Regierung Ungarn eine neue Verfassung gegeben hat, geht sie jetzt offenbar daran, den Holocaust umzudeuten, wohl im Geist des „nationalen Glaubensbekenntnisses“, der Grundgesetz-Präambel. Ein Schritt in diese Richtung ist die Entlassung von László Harsanyi, Direktor des Budapester Holocaust-Zentrums für Dokumentation und Erinnerung (HDKE). Harsanyi musste gehen, nachdem er sich geweigert hatte, die ständige Ausstellung des HDKE nach Anweisung des zuständigen Staatssekretärs András Levente Gál zu ändern.

Gál hatte verlangt, dass der Horthy-Aspekt in der Ausstellung anders dargestellt werde. Denn es gebe „keinen kausalen Zusammenhang“ zwischen dem Einmarsch der Ungarn in die Nachbarländer und der dortigen Judenverfolgung, sagte Gal in einem Interview, das im Internetportal der Regierung erschien. In der Schau sind Videos zu sehen, die ungarische Truppen unter anderem in der Slowakei zeigen, in einem davon tritt auch Horthy auf. Es geht Gál offenbar darum, die ungarische Mittäterschaft im Holocaust zumindest zu minimalisieren.

Reichsverweser Miklós Horthy (1868-1957) war während seiner Regentschaft (1920-1944) zunächst mit Nazi-Deutschland verbündet. Im März 1944 wurde Ungarn von deutschen Truppen besetzt, im Mai begann die Deportation der ungarischen Juden. Mit betroffen waren auch Juden aus den Nachbarländern Rumänien, Slowakei und Ukraine, weil Ungarn Teile dieser Länder nach den Wiener Schiedssprüchen von 1938/1940 auf Betreiben Hitlers zurückbekommen hatte. Es waren Teile der Gebiete, die Ungarn nach dem Trianon-Vertrag 1920 verloren hatte. Die dortige Judenverfolgung, wie auch jene in Kern-Ungarn, wäre ohne Mithilfe des Horthy-Regimes undenkbar gewesen. (mehr…)

Ungarns hässliche Freunde

Rechtsradikale hetzen gegen Roma, Juden oder Intellektuelle – und fahren bei den Wahlen Rekordergebnisse ein: Ungarn, das aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat, verprellt Nachbarn und Partner mit seinem neuen Chauvinismus. Beifall kommt aus Deutschland – von den Rechtsextremen.

Junge Männer in Uniformen, zum Teil in Originalstücken aus dem Zweiten Weltkrieg, stapfen durch den Wald. Vereinzelt sieht man historisches Koppelzeug oder die charakteristische Form deutscher Stahlhelme. Die Dämmerung verleiht der Szene zusätzlich gespenstisches Flair.

Die Bilder wirken im heutigen Europa deplatziert. Was hier in Ungarn jedes Jahr stattfindet, ist ein besonderes Reenactment: Neonazis aus ganz Europa sind wie auch in den Jahren davor im Umland von Budapest angetreten. Mit einem aufreibenden Nachtmarsch über 60 Kilometer wollen sie des letzten Ausbruchs deutscher und ungarischer Verbände aus dem eingekesselten Budapest im Februar 1945 gedenken. Statt sich zu ergeben, warfen sich diese noch in den letzten Kriegstagen auf Befehl des SS-Generals Karl Pfeffer-Wildenbruch in eine längst verlorene Schlacht, die Tausende das Leben kostete.

Das Desaster war ein weiteres Beispiel dafür, wie die fanatische Überzeugung der Soldaten des „Dritten Reichs“ den Krieg verlängerte und gerade in der Schlussphase die Opferzahlen mehrte. Für die Nachtwanderer sind die „Rückkämpfer“, wie es im Soldatenjargon hieß, aber gerade deswegen Helden. (mehr…)

Hungarian court acquits Nazi hunter Zuroff of libel

Nazi hunter Dr. Efraim Zuroff was acquitted by a Budapest court of libel charges leveled against him by an accused Hungarian Nazi war criminal.

Zuroff, head of the Simon Wiesenthal Center, was acquitted Tuesday by Judge Viktor Vadasz two days before his accuser, Dr. Sandor Kepiro, is scheduled to go on trial in Budapest Municipal Court. Kepiro is charged with being involved in the murder of more than1,200 Jews, Serbs and Gypsies during a raid by the wartime Hungarian Gendarmerie at Novi Sad in 1942.

Kepiro, 97, filed suit after Zuroff, the head of the Israel office of the Simon Wiesenthal Center, submitted documents to the Hungarian courts in 2006 regarding Kepiro’s alleged role in the murders of 1,246 civilians in Novi Sad. Most of the victims were taken to the Danube River and shot in January 1943.

Kepiro was found guilty of involvement twice — once by the pre-Nazi Hungarian courts, and again after the war, in 1946. By then he allegedly had fled via Austria to Argentina. He returned to Budapest in 1996, and Zuroff, who has been searching for Nazi war criminals under the Wiesenthal Center’s Operation Last Chance program, located him.

In his verdict, Vadasz noted that Zuroff had acted in good faith by first contacting the Hungarian prosecutors after discovering that Kepiro had returned to Hungary from Argentina before notifying the media.

„Needless to say, I am relieved to have been acquitted, but the most important issue is Kepiro’s guilt, which will be hopefully established by a criminal court in his trial which begins Thursday morning,“ Zuroff said in a statement. „This has been a long and frustrating process, which began in the summer of 2006, but I am hopeful that justice will finally be achieved. That is what the victims of the massacre in Novi Sad deserve and that is what I have been fighting for from the very beginning of this process.“

Quelle: JTA
Stand: 03.05.2011

Letzte Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher

Die Verhandlung gegen Sándor Képíró in Budapest ab Mai dürfte eine der letzten sein

Jerusalem/Wien – „Wir nähern uns dem Ende“ , sagt David Silberklang, Historiker an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. „Die biologische Uhr ist gnadenlos.“ Der Verhandlungsbeginn gegen Sándor Képíró am 5.Mai in Budapest, könnte also der Auftakt zum letzten großen Prozess gegen einen NS-Kriegsverbrecher werden. Képíró soll im serbischen Novi Sad als ungarischer Gendarm am Tod von mehr als 1000 Juden, Roma und Serben beteiligt gewesen sein. Seit 2010 galt er als der meistgesuchte Nazi-Kriegsverbrecher.

Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Israel, kritisiert, dass „hunderte, sogar tausende“ Altnazis noch auf der Flucht seien. Doch man stoße, allein weil „Zeugen fehlen oder weil die Zeugen nicht mehr aussagen können“ , an Grenzen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte deshalb die „Operation: Letzte Chance“ gestartet. (mehr…)

Alter Faschismus – neuer Faschismus

Ankündigung zur Konferenz zur Analyse und Kritik faschistischen Gedankensgutes

Konferenz in Budapest am 3./4. Juni 2011

Das „Haus des Terrors“ in Budapest

Der feuchte Traum eines jeden Totalitarismus-Theoretikers
Im Februar 2011 besuchte ich mit Freunden Budapest und besichtigte dabei auch das so genannte „Haus des Terrors“, ein Museum. Alle nachfolgenden englischen Zitate sind der Broschüre und den ausliegenden Infoblättern des Museums entnommen.

Das „Haus des Terrors“ widmet sich den „two murderous regimes“ bzw. den „two shameful and tragic periods“ der ungarischen Geschichte. Hier fängt es schon an problematisch zu werden. Mit diesen zwei Perioden sind nämlich die kurze Zeit der Herrschaft der faschistischen Pfeilkreuzler-Partei (1944-45) und die lange Zeit des realsozialistischen Regimes gemeint. Diese sehr unterschiedlichen Arten von Herrschaft werden bedenkenlos parallelisiert. Diese Gleichsetzung äußert sich auch in der ständigen bildhaften Verknüpfung von rotem Stern und Pfeilkreuz. Vollkommen ignoriert wird dabei, dass das Pfeilkreuz nur mit einer einzigen rechten Bewegung bzw. Ideologie verknüpft werden kann, der rote Stern dagegen wurde und wird von sehr vielen, zum Teil gegensätzlichen linken Organisationen, Bewegungen und Ideologien verwendet. (mehr…)

Hungary seeks dismissal in Nazi restitution case

After the heirs of collector Baron Herzog filed a lawsuit this summer seeking the return of art confiscated during the second world war, the country responds

Washington, DC. The Republic of Hungary is seeking dismissal of a lawsuit against it claiming art from the prewar Herzog collection, saying that it is immune from the suit as a foreign state. While the plaintiffs are claiming exceptions to the normal rules barring lawsuits against foreign nations, the exceptions fail in the face of a 1973 US-Hungarian agreement that bars any suit against Hungary for the art, the country says. It adds that the US plaintiff in the case has already received compensation through settlements made in the US to his relatives. The motion to dismiss was filed in federal district court in Washington, DC on 15 February.

In July, the heirs of the Hungarian Jewish industrialist Baron Mór Lipót Herzog sued Hungary and four state-owned museums, seeking at least 40 valuable works from the Baron’s splendid prewar collection. The plaintiffs, US citizen David de Csepel and Italian citizens Angela and Julia Herzog, say that Hungary looted the art from its then owners, the Baron’s children, after the Nazis invaded Hungary in March 1944, and that they as the Baron’s heirs own it. The art is now in the collections of the Hungarian National Gallery, the Museum of Fine Arts, the Museum of Applied Arts and the Budapest University of Technology and Economics, all in Budapest. (mehr…)




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